Kreuzotter

Haltung und Nachzucht der Kreuzotter

FreilandHaltung

Sechzehn Jahre Haltung der Kreuzotter

Lange Tragzeit

Erwerb von Kreuzottern

Bei einem Besuch eines recht gut besetzten  Lebensraumes von Vipera berus musste ich leider eine traurige Feststellung machen. Jemand suchte zur gleichen Zeit die Biotope ab und fing die Schlangen ein. Abgesehen davon, dass der Fang der Kreuzottern verboten ist, haben die gefangenen Tiere keine Überlebensaussichten in Gefangenschaft. Selbst die im Herbst von diesen Kreuzottern geborenen Jungvipern werden zum größten Teil sterben. Sie  sind durch den Stress der Mutter vorgeschädigt. Macht so etwas bitte nicht.

Der verantwortungsbewusste Terrarianer wird aus diesen Gründen keine Wildfangtiere erwerben. Wie soll nun jemand erkennen, ob die Kreuzottern Wildfänge sind oder von Wildfängen abstammen?  Bei adulten oder semiadulten Tieren ist die Sache noch relativ einfach. Die Tiere sind in ihrem zutraulichen Verhalten einfach von Wildfängen zu unterscheiden. Schwieriger wird die Sache bei Jungtieren. Kauft nur Kreuzottern,  die vor dem Monat Juli geboren wurden. Durch die Temperaturbedingungen im Terrarium werden hier die Jungen etwa zwei Monate früher wie im Freiland geboren.

Erhaltungszucht

Immer wieder wird das Thema Erhaltungszucht bei bedrohten Tierarten diskutiert. Die ersten Jahre mit vipera berus hatte ich ebenfalls die Illusion, mit von mir gezüchteten Kreuzottern verwaiste oder schwache Vorkommen wieder aufzubauen. Wenn eine Population verschwunden ist, stellt sich vorrangig die Frage, warum ist sie erloschen? Es macht doch keinen Sinn, Jungschlangen einfach in ein Gebiet zu setzen. Sie genau so zugrunde gehen wie ihre Vettern in freier Natur die Jahre zuvor.


Zuerst muß geklärt werden, warum sind sie verschwunden sind. Wurden die Ursachen dafür in der Zwischenzeit beseitigt? In fast allen Fällen wird man feststellen, dass sich die Situation vor Ort keinesfalls verbessert hat. Somit ist eine Wiederansiedlung von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Noch schlimmer wird es, wenn in der Zuchtgruppe irgendwelche Erreger unbemerkt vorhanden sind. Im Terrarium haben die Schlangen gelernt zu überleben. In eine schwache freie Population verbracht, können diese Krankheitserreger zur Katastrophe führen und die restlichen Kreuzottern vernichten.

Standortformen

Bei meinen Reisen zu vielen verschiedenen Kreuzotterpopulationen konnte ich die reichlich vorhandenen unterschiedlichen Standortformen bewundern. Überall sind für den jeweiligen Standort typische Färbungen zu sehen. Auch die Körperproportionen der Kreuzottern in verschiedenen Gebieten kann variieren. Durch unkoordinierte Wiederansiedlung würden diese Lokalformen verfälscht. Das muss vermieden werden. Die sehr ferne Zukunft wird uns zeigen, ob verloren gegangene Lebensräume wieder besetzt werden können. Bis dahin muss sich im Bewusstsein von Bürgern und Behörden noch Gewaltiges verändern. Ist es doch selbst in heutiger Zeit noch schwierig bis unmöglich, die vorhandenen Populationen zu schützen und zu erhalten. Ein Beispiel für die Schwierigkeiten und Herausforderungen zeigt ein kürzlich erschienener Berichtbeitrag über dir Konflikte zwischen Kreuzottern und Nürnberger Bürgern: Wir haben es gerade in Nürnberg erlebt, wie Dummheit im Verein mit Schlangenhass zur Vernichtung von Kreuzottern führen.