Die Vipern Europas, Schutz

und Haltung



Kurt Orth



Inhaltsverzeichnis


Haltung der Vipern allgemein 6

Zucht 8

Freilandterrarien 9

Unfälle in Deutschland 10

Gefahren 13

Artenbeschreibungen 14

Aspisviper 14

Sandotter oder Europäische Hornottern 19

Kreuzotter 26

Entstehung von Unterarten 29

Kaukasus Otter 33

Vipera ursinii 35

Stülpnasenotter 37

Verbreitung und Unterarten 38

Die Bergotter 39

Levanteotter 40

Milosviper 42

Halysotter 43

Erhaltungszucht 44

Nachwort 45

Danksagung 47

Über den Autor 48

Schriften 51



Einleitung



Schon in meinem Buch „Die Haltung Europäischer Schlangen und ihr Schutz“ habe ich einige Aspekte zu den Europäischen Vipern aufgezeigt. Da viele Probleme jedoch speziell die Vipern betreffen, will ich sie noch einmal gesondert besprechen.

Bestimmte Gruppen selbst ernannter Natur- und Tierschützer fordern eine immer stärkere Reglementierung der Haltung und Zucht von Wildtieren und hier besonders von Reptilien. Sie argumentieren, die Haltung von Reptilien sei Artgerecht nicht möglich. Die sehr guten Zuchterfolge und das erreichte Höchstalter von Reptilien in privater Haltung sprechen eine andere Sprache. Für Tatsachen sind diese Gruppierungen jedoch wenig empfänglich. Ob die Haltung von Hunden und Katzen in Großstädten artgerecht ist, steht auf einem anderen Blatt.

Aus Artenschutzgründen spricht nüchtern betrachtet nichts mehr gegen die Pflege der meisten Reptilien. Mittlerweile stehen die meisten Arten als legale Nachzuchttiere ausreichend zur Verfügung. Die Frage der Erhaltungszucht ist so heikel, dass ich sie in einem gesonderten Artikel behandle.

Warum wollen wir überhaupt Reptilien pflegen und im Terrarium beobachten? Wir Menschen dieses Jahrhunderts sind immer weiter von der Natur entfremdet und haben kaum noch die Gelegenheit, Wildtiere zu beobachten. Die Beschäftigung mit den Tieren im Terrarium ist ein kreativer Ausgleich zu Stress und Hektik des Berufslebens. Nur durch das Kennenlernen der Tiere in der Haltung entstehen das Bedürfnis und die Fähigkeit, sich für den Schutz dieser Tiere einzusetzen.

Die vielen gescheiterten Schutzprojekte seitens vieler Biologen und Behörden bestätigen dies auf niederschmetternde Weise. Wie viele Lebensräume samt ihrer Tiere wurden die letzten Jahre vernichtet, weil der Schutz nur mit Schreibtischwissen durchgeführt wurde.

So wurden aufgrund des Ausbaues der Wasserstraße bei Rendsburg 26 Kreuzottern eingefangen und in für viel Geld errichtete Freilandterrarien verbracht. Das hört sich ja erst einmal toll an. Doch die dafür aufgewendeten 180.000 Euro erwiesen sich als schlecht angelegten Geld. Zwei Jahre später war von den pro Exemplar 7000 Euro teuren Kreuzotter keine mehr vorhanden. Hätte man für dieses viel zu teure Projekt fachkundige und erfahrene Terrarianer hinzu gezogen, wäre der Erfolg vielleicht nicht ausgeblieben.

Gerade bei den versteckt lebenden Reptilien sind die Ansprüche an den Lebensraum nur durch intensive Beobachtungen im Zimmer und Freiland Terrarium zu erkennen. Die meisten Naturschutzverbände sehen alleine den Biotopschutz als das alleine seligmachende an. Der Schutz der Biotope ist zwar immens wichtig, es hat sich jedoch gezeigt, dass die Aussicht auf Profit und politische Ziele sehr schnell wichtiger wie der Biotopschutz ist.

Ob es um die Zerstörung der Moore zum Torfabbau geht, oder um den Kahlschlag von Wäldern in denen Haselmäuse leben, um Windkraftanlagen zu errichten. Immer stehen die wirtschaftlichen Interessen vor der Erhaltung von Tieren. Mit einer großzügigen Spende ist dann auch so manche Artenschutz Organisation zufrieden gestellt.

So hat Hessens Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen die Bestimmungen für den Artenschutz gelockert, damit der favorisierte Klimawandel nicht behindert wird.

Damit wird deutlich, dass auch bei den Grünen die Ideologie vor dem Schutz bedrohter Arten kommt.

Dass der Schutz von Vipern in der Bevölkerung überhaupt nicht akzeptiert wird, hat sich gerade in Nürnberg gezeigt. Hier hat sich ein großer Teil der Bürger als überaus stur zu belangen des Artenschutzes gezeigt.

Hier füge ich zwei Zeitungsmeldungen zu den Problemen in Nürnberg ein.

Streit um Kreuzottern in Nürnberg

Eine Kolonie von rund 60 Kreuzottern an einer Kanalschleuse in Nürnberg sorgt bei Spaziergängern und Hundebesitzern in der Stadt für Aufregung. Nach einem Bericht der «Nürnberger Nachrichten» (Donnerstag) haben inzwischen Anwohner mit einer Unterschriftensammlung begonnen, in der sie einen Kompromiss zum Schutz von Sparziergängern, Kindern und Hunden vor den Giftschlangen fordern. Ein Hund sei beim Herum schnuppern auf dem Schleusendamm bereits von einer Kreuzotter gebissen worden. Einige Schlangen sonnten sich mitten auf dem Gehweg. Viele Spaziergänger seien verunsichert, berichtete das Blatt.

Naturschützer erklärten, bei umsichtigem Verhalten stellten die Kreuzottern keine Gefahr dar. «Die kleine, bislang stabile Population bietet vielmehr faszinierende Beobachtungsmöglichkeiten und stellt ein einzigartiges Naturjuwel dar», teilte der Landesbund für Vogelschutz am Donnerstag mit. Er betreut die Kreuzotter-Kolonie und hat inzwischen Informationstafeln aufstellen lassen. Außerdem gebe es Überlegungen, die Wege nahe Sonnenplätze der Schlangen an der Dammkrone etwas zu verlagern. Kreuzottern gebe es in Bayern sonst nur noch im Alpenvorland, in Ostbayern und in der Rhön. (Quelle: Nürnberg (dpa/lby)“)

Berichtsbeitrag Nürnberger Nachrichten (Eibach: Schrecken Kreuzottern Spaziergänger ab .www.nordbayern.de/...10.06.2013 - Nürnberg)

Spaziergänger, Jogger und Hundebesitzer, die in großer Zahl zwischen der Schleuse Eibach und der Sauerbruchstraße in Reichelsdorf unterwegs sind, hatten im Frühsommer Alarm geschlagen: Sie wollten ein Anwachsen der Population der giftigen Reptilien beobachtet haben und wiesen auf besondere Gefahren zum Beispiel für Kinder hin. Sie hielten Naturschützern vor, die Vermehrung noch zu unterstützen, und übergaben Umweltreferent Peter Pluschke rund 200 Protestunterschriften. Dagegen versuchten Umweltorganisationen und auch das städtische Umweltamt, die Gemüter zu beruhigen — unter anderem mit dem Hinweis auf häufig übertriebene Vorstellungen von der Angriffslust der Tiere oder der Wirkung ihres Giftes.

Bei einem runden Tisch prallten Mitte Juli noch einmal die verschiedenen Positionen aufeinander. Weil Kreuzottern inzwischen als selten und vom Aussterben bedroht gelten, erst recht in der Umgebung von Städten, und Fachleute zudem eine „Umsiedlung“ für unmöglich halten, haben die Artenschutzbestimmungen hier besonderes Gewicht. Zumal den Kreuzottern offenkundig frühere Lebensräume bereits geraubt worden sind.

Schon bei dem Abend im Haus Eckstein hatte ein Vertreter der Regierung von Mittelfranken der Stadt daher nahe gelegt, ein Wegegebot in dem „umkämpften Gebiet“ zu erlassen. Das kündigt die Stadt im aktuellen Amtsblatt an: Vom 1.März bis zum 31. Oktober 2014 soll das Betreten der „waldseitigen Böschung“ des westlichen Damms am Main-Donau-Kanal zwischen Wiener und Sauerbruchstraße untersagt sein. Dabei handelt es sich um einen schmalen Streifen, der als Hauptlebensraum der Ottern gilt. „Es geht vor allem darum, unliebsame Begegnungen auszuschließen“, erläutert Umweltreferent Peter Pluschke. Deshalb gilt das Betretungsverbot auch für Hunde.

Wege, sowohl entlang des Kanals wie im Forst, sind von dem Verbot nicht betroffen. Aus juristischen Gründen habe man sich für eine so genannte Allgemeinverfügung entschieden, die befristet gilt, aber auf einfachem Verwaltungsweg erlassen werden kann.“

„(Nachrichten aus dem Rathaus Nr. 658 / 13.06.2013 Erwiderung des Umweltreferats auf Leserbriefe zum Kreuzottern-Vorkommen am Kanal)“.



Als Antwort auf diese Verfügung hat dann ein besonders erboster Hundehalter eine ganze Anzahl von Kreuzottern erschlagen. Gerade in Bayern habe ich eine unversöhnliche Feindschaft vieler Menschen gegen die Kreuzotter erkennen müssen.

Diese direkte Verfolgung, tierische Feinde wie Störche, Reiher, Raubvögel, Katzen und Wildschweine, sowie der Verlust an Lebensraum durch immensen Zivilisationsdruck werden den Vipern in großen Teilen ihres Verbreitungsgebietes das Ende bereiten. Immerhin ist in Bayern der Bestand an Kreuzotter innerhalb von 40 Jahren um 80 Prozent zurück gegangen.

Ist die Haltung von Wildtieren vor diesem Hintergrund überhaupt noch zu verantworten? Selbst ernannte Tierschützer wie PETA und andere bezweifeln, das die Haltung von den sogenannten exotischen Tieren artgerecht ist.

Dabei lohnt es sich, einen genauen Blick aus diese fragwürdige Tierrechtsorganisation zu werfen.

PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) ist eine Organisation, die behauptet, die Rechte und Interessen der Tiere zu vertreten. Dafür sammelt sie fleißig Spendengelder. Jetzt hat sich herausgestellt, dass von 2000 bei PETA eingelieferten Tiere 96 Prozent getötet werden. Was für ein verlogener Verein. Dabei wurden in elf Jahren 29.426 Tiere getötet.

Und so ein Verein verunglimpft ständig Terrarianer, die sich für den Schutz der Tiere einsetzen. Leider werden Die Lügen von PETA sehr oft von den Medien übernommen und kritiklos weiterverbreitet.

Um Schutzmaßnahmen durchführen zu können, ist eine genaue Kenntnis der Lebensansprüche der betroffenen Tiere von grundlegender Bedeutung. Und diese sind nur bei genauer Beobachtung bei der Pflege zu gewinnen. Wirkungsvoller Tierschutz ist Tierliebe plus Sachverstand, eine Argumentation "aus dem Bauch heraus" hilft nicht weiter. Organisationen wie PETA ist die Erhaltung dieser Tiere vermutlich gleichgültig. Es geht nur um die eigenen verqueren Ansichten und deren Durchsetzungen.

    1. Haltung der Vipern allgemein



Die meisten Europäischen Vipern sind recht einfach zu pflegen und über viele Generationen zu züchten (s. a. Schweiger 1992). Seit über vierzig Jahren halte und züchte ich die verschiedensten Vipern und es sind nicht viele Bedingungen, die zu einer erfolgreichen Zucht beachtet werden müssen. Entscheidend dabei ist die Liebe zu diesen Tieren und keine Sammler Mentalität aufkommen zu lassen. Eine überschaubare Gruppe ist besser zu pflegen als eine große Sammlung.

Bei der Einrichtung des Terrariums ist drauf zu achten, den Tieren genügend Verstecke und eine Stelle zur Aufnahme von Strahlungswärme zu bieten. Die Belüftung spielt eine wesentliche Rolle zum Wohlbefinden der Tiere, die Lüftungsflächen dürfen nicht zu klein sein. Die in den letzten Jahren in Mode gekommenen Osb Terrarien haben meist eine für Vipern zu geringe Lüftungsfläche.

Auf eine ausreichende Belüftung des Behälters ist unbedingt zu achten, sie ist neben hoher Luftfeuchtigkeit und Strahlungswärme ein Hauptkriterium zur erfolgreichen Pflege dieser Vipern. Die Lüftungsgitter dürfen sich auf keinen Fall lediglich auf der Oberseite des Terrariums befinden, sondern müssen mindestens eine Seitenfläche mit umfassen. Ansonsten bildet sich zwangsläufig Stickluft, die auf Dauer zum Tode der Schlangen führt.

Wasser sollte in Form eines Gefäßes und durch tägliches übersprühen von Behälter und Tieren zur Verfügung stehen.

Das Terrarium muss stets verschiedene Temperaturbereiche aufweisen, um den Vipern für Ruhe, Verdauung und Aktivität immer den bevorzugten Platz zu bieten (s. a. Schiemenz 1987, Orth 1992). Die Kreuzotter zum Beispiel ist trotz ihrer enormen Widerstandskraft gegen niedrige Temperaturen sehr wärmebedürftig und verbringt die ersten Stunden des Tages unter einem Strahler.

Für die notwendige Luftfeuchtigkeit und das Wohlbefinden der Schlangen ist eine Bepflanzung des Behälters vorteilhaft, erschwert aber die notwendige Hygiene. Man muss hier das richtige Verhältnis ausprobieren, tägliches besprühen ist ein Muße. Gefüttert werden die erwachsenen Tiere im Abstand von zwei bis drei Wochen mit je einer halbwüchsigen Maus, Jungtiere und tragende Weibchen entsprechend öfters. Etwa vier Wochen vor der Überwinterung wird das Füttern eingestellt und die Beleuchtungsdauer schrittweise reduziert.

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