Die Haltung Europäischer Schlangen und ihr Schutz Kurt Orth Copyright © 2016 Kurt Orth All rights reserved. ISBN: ISBN-13:

Zusammenfassung
Reptilien gehören in Europa zu den in ihrer Existenz am meisten bedrohten Tierarten. Un­ter den Reptilien sind besonders die Schlan­gen in einer schwierigen Situation. Da sie nur bei den wenigsten Menschen Sympathie finden, ist ihr Schutz oftmals aussichtslos. Und unter den Schlangen sind gerade die Vi­pern besonders verfolgt. Um das Überleben von verschiedenen Arten von Schlangen zu garantieren ist es von entscheidender Bedeutung, deren zukünftige Existenz durch Erhaltungszuchten sicher zustellen. Die wichtigsten Gesichtspunkte, wie diese Tiere zu halten und zu vermehren sind, werden hier aufgezeigt. Ebenso gehe ich auf Schutzmaßnahmen ein, die nicht nur den Schutz des Lebensraumes betreffen. Denn der Schutz des Lebensraumes ist zwar immens wichtig, hat sich aber in der Realität als nicht ausreichen herausgestellt. Selbst in geschützten Gebieten gehen die Bestände drastisch zurück. Das kommt zu einem großen Teil durch eine gestiegene Zahl von natürlichen Feinden. Aber die direkte Verfolgung durch unvernünftige Zweibeiner spielt ebenso eine große Rolle.

Einleitung
Im Laufe von über vierzig Jahren hielt und züchtete ich Schlangen und andere Tiere aller Gattungen, Arten und Unterarten. Die ersten Jahre habe ich mich dabei an die ungiftigen Schlangenarten gehalten bis ich nach fünf Jahren in Meran die erste und unerwartete Begegnung mit einer Aspisviper hatte. Dieses Zusammentreffen machte auf mich einen so starken Eindruck, dass ich bei nächster Gelegenheit bei einem befreundeten Terrarianer ein Paar dieser Vipern erstand. Diese schönen Vipern beeinflussten meine weitere Laufbahn als Terrarianer nachhaltig. Im Gegensatz zu den meisten bis dahin von mir gepflegten Nattern und Riesenschlangen waren diese Vipern fast den ganzen Tag nicht nur zu sehen, sondern auch die meiste Zeit aktiv. In den darauffolgenden Jahren waren dann die meisten der Europäischen Vipern und einige außereuropäische Giftschlangen meine Pfleg­linge. Besonderen Dank schulde ich meinem Freund Ludwig Trutnau, der mich mit vielen Ratschlägen unterstützt hat. Leider gibt es vermehrt einige Neunmalkluge, welche diesen großen Autor und Terrarianer nicht zu schät­zen wissen, beziehungsweise kritisieren. Er hat über Jahrzehnte Pionierarbeit für die Terraristik geleistet. Die meisten seiner jetzigen Kritiker haben noch ihre Windeln mit Inhalt gefüllt, als Trutnau seine ersten Veröffentlichungen mit wichtigem Inhalt füllte. Das sich nach Jahrzehnten so manche Information revidiert hat, kann man Trutnau nicht anlasten. Erst die letzten Jahrzehnte war es für viele möglich, in die Heimat der Pfleglinge zu reisen. Ebenso gab es damals noch kein Internet, heute ist es ein Kinder­spiel an Informationen zu kommen. Wer sich heute bemüßigt sieht, seine Leistungen zu kritisieren, sollte selber versuchen etwas zu leisten. Ebenso danke ich Mario Schweiger, seine Er­fahrungen haben mir so manches Mal weiterge­holfen. Keiner sollte der Meinung sein, er alleine hätte das Pulver erfunden. Nur mit den Erfahrungen langjähriger Pfleger von Reptilien ist eine verantwortliche Pflege möglich. Dieser Erfahrungsaustausch ist nicht nur elementar wichtig für die artspezifische Pflege, er macht auch einen besonderen Reiz unseres Hobbys aus.

Inhaltsverzeichnis
Die Haltung Europäischer Schlangen und ihr Schutz 1 Zusammenfassung 3 Einleitung 5 Vorwort 9 Haltung 12 Zucht 13 Freilandterrarien 19 Haltungsbedingungen der Arten 20 Die Äskulapnatter 21 Die Ringelnatter 24 Die Schlingnatter 27 Die Leopardnatter 29 Die Eidechsennatter 32 Die Vierstreifennatter 35 Elaphe sauromates: 59 Vipera ammodytes 65 Vipera aspis 73 Vipera berus 76 Das Verhalten 77 Iberische Kreuzotter oder Seoane-Viper 83 Unfälle in Deutschland 91 Schlusswort 94 Schriften 95

Vorwort
Bedingt durch die fortschreitende Bedrohung sehr vieler wild lebender Tierarten stellt sich immer wieder die Frage, ob die Haltung von Wildtieren in Menschenobhut noch zeitge­mäß und zu verantworten ist. Aufgrund mehr oder weniger fundierter Vorwürfe von Seiten selbsternannter Naturschützer kommen auch die Halter von Terrarientieren nicht umhin, sich kritisch mit ihrer Beschäftigung auseinander-zusetzen. Zum Glück sind in den letzten Jahren die Nachzuchterfolge bei den meisten Reptilien und Amphibien erfreulich gut, so dass eine Entnahme der Tiere aus der Wildbahn bei vie­len Arten überflüssig geworden ist. Leider hat sich das bei so manchem einnahmeorien­tierten „Tierfreund“ noch nicht herumgespro­chen. Immer noch werden leider die spärlichen Bestände gerade der Kreuzotter geplündert. Trotzdem ist es wichtig, eine Antwort auf die Frage zu haben, warum überhaupt Tiere im Terrarium gehalten werden. Die meisten angeblichen Naturschützer vergessen, dass ein wirkungsvoller Schutz der Tiere nur möglich ist, wenn wir über ihr Verhalten und ihre Lebensansprüche genau Bescheid wissen. Es reicht eben bei weitem nicht, einen Lebensraum zu erhalten und unter Schutz zu stellen, um das Überleben von Tierarten zu sichern. Die Wechselwirkungen in der Natur und der Arten untereinander sind so komplex, dass die genauen Kenntnisse darüber für den Schutz unabdingbar sind. Diese Kenntnisse sind bei den versteckt lebenden Reptilien zum größten Teil nur durch Beobachtungen in Zimmer- und Freilandterrarien zu gewinnen. Wirkungsvoller Tierschutz ist Tierliebe plus Sachverstand, eine Argumentation "aus dem Bauch heraus" hilft nicht weiter. Doch gerade bei den Europäischen Vipern kommt noch ein Aspekt hinzu, der besonders für die Terrarienhaltung spricht und der von vielen Naturschützern überhaupt nicht beachtet wird. Es ist in keinem Teil der Welt bisher über­haupt möglich, bei der Bevölkerung Verständnis für den Schutz und das Überleben von Giftschlangen zu wecken und das sinnlose Erschlagen der Tiere zu unterlassen. Die zu­mindest in Deutschland und dem größten Teil Europas völlig unbegründete Angst der Men­schen ist Jahrhunderte alt und sehr schwer zu überwinden. Doch gerade die Mischung aus direkter Verfolgung und dem immens steigenden Zivilisationsdruck bedeutet für einen gefährlich großen Teil der Vipernpopulationen die restlose Vernichtung.

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