Haltung und Zucht von Parabuthus villosus

Der Bericht wurde am 21.07.06 überarbeitet um neue Beobachtungen einzubringen.

Am 13.07.2000 erhielt ich zwei semiadulte Parabuthus villosus. Die Skorpione bezogen ein Terrarium mit den Maßen 40 x 25 x 25 (LBH) welches durch eine fünfundzwanzig Watt Lampe erwärmt wird. Als Bodengrund nehme ich groben Sand vermischt mit Bausand, der in einer Ecke des Behälters leicht angefeuchtet wird. Am 23.11.2000 häutete sich das Männchen und am 01.07.2001 das Weibchen, wobei der Partner in engem Körperkontakt ständig anwesend war. Daher kann ich Berichte über Innerartliche Aggressivität nicht bestätigen. Durch eine für Skorpione sehr häufige Tagaktivität ist diese Art ein angenehmer Pflegling, der auch durch seine Größe sehr imposant wirkt. Im Gegensatz zu Parabuthus transvaalicus ist der Nahrungsbedarf der erwachsenen Skorpione sehr gering, ein Beutetier in der Größe einer Grille reicht meinen Tieren im Monat.

Von allen von mir gepflegten Skorpionen ist Villosus der gefährlichste Giftsprüher. Durch heftige Schleuderbewegungen des Schwanzes wird das Gift in Richtung der scheinbaren Bedrohung geschleudert, und eigenartigerweise fast immer in Richtung der Augen. Nach so einem Treffer ist sofortiges ausspülen der Augen notwendig, ansonsten ist eine schmerzhafte Entzündung unvermeidlich. Diese Art reagiert empfindlich gegen jede Störung im Unterschlupf, schon kurzes Anheben des Verstecks (Stein, Rinde) bewirkt längeres Umherlaufen im Terrarium.

Am 04.08.2003 entdeckte ich zu meiner Freude eine größere Anzahl Larven auf dem Rücken der Mutter. Von einer Paarung hatte ich vorher nichts bemerkt. Die Jungskorpione verblieben regungslos bis zum 13.08.2003 auf der Mutter. Am Abend des 14.09.2003 bemerkte ich die ersten gehäuteten Jungtiere welche aber noch bis zum 23.08. auf dem Rücken der Mutter blieben.

Nachdem die Jungen das Versteck der Mutter verlassen hatten, wurden sie einzeln in Heimchendosen untergebracht. Sofort haben sie mittelgroße Futtertiere angenommen. Zum Vergleich habe ich vierzehn Jungtier zusammen in einem Behälter untergebracht und habe dabei keine Verluste zu beklagen. Offensichtlich ist die Art nicht immer so aggressiv wie in der Literatur meist angegeben. Das Männchen hatte ich nach der Entdeckung der Jungen aus dem Behälter genommen.

Nachdem ich die Jungen von der Mutter getrennt hatte wurden von ihr zwei Babymäuse verzehrt. Daraufhin habe ich das Männchen wieder zu ihr gesetzt und es kam spontan zu Paarungsaktivitäten. Am nächsten Abend (01.09.2003) konnte ich an der mit Korktapete verkleideten Rückwand des Terrariums den Paarungstanz mit Übergabe der Spermatophore beobachten. Auch in den folgenden Nächten dauerten die Paarungsaktivitäten an.

Im Gegensatz zu den Alttieren entwickelten die Jungen einen lebhaften Appetit und haben schnell an Umfang zugenommen. Die ersten Häutungen erfolgen leider im Verlauf mehrerer Wochen, so dass ständiges Überwachen der Substratfeuchte bei allen Jungen notwendig ist. Dabei meine ich Feuchte wörtlich, zweimal die Woche wird der Sand bei den kleinen angefeuchtet.

Im Jahr 2005 hatten die Nachzuchtskorpione offensichtlich ihre Geschlechtsreife erreicht und ich brachte zwei Pärchen zusammen. Spontan kam es zum Paarungstanz und zur mehrmaligen Übergabe der Spermatophore. Auch die Nachzuchttiere bevorzugen zur Paarung horizontale Flächen, immer wurde die Spermatophore an einer aufrecht stehenden Rinde übergeben. In den nächsten Monaten haben die Weibchen an Umfang zugenommen und ich hoffte auf Nachwuchs. Aber nach einem Jahr war von Nachwuchs noch nichts zu sehen und die Weibchen häuteten sich noch einmal. Zwei Wochen später habe ich dann die Männchen dazugesetzt und es kam sofort wieder zum Paarungstanz mit Übergabe der Spermatophore.

Im Juni 2006 hatte ein Weibchen den Zugang zu ihrer Höhle zugescharrt und war Wochenlang nicht zu sehen. Anfang Juli entdeckte ich am Abend zu meiner Freude eine große Anzahl Junge Skorpione im Terrarium. Der Eingang zur Höhle war geöffnet und überall wuselten die Kleinen herum.
Bei dieser Art der Haltung kommt man um ein restlosen Ausräumen des Terrariums zum Einsammeln der Jungen leider nicht herum, aber die Einrichtung mit tiefem Bodengrund ist natürlicher und die sensible Mutter fühlt sich wohler als bei einem Versteck unter Rinde. Dann kam die große Überraschung, die Skorpionin hatte hundert Junge abgesetzt. Die nächsten zwei Stunden waren ausgefüllt mit dem separieren der kleinen auf hundert Heimchendosen. Die nächsten Tage gingen alle Jungen an die angebotenen mittelgroßen Heimchen.


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