Gemeinschaftshaltung von Skorpionen

In der Literatur ist zumeist von unverträglichen Kannibalen die Rede wenn es um Skorpione geht. Selbst die neuere Fachliteratur macht hier keine Ausnahme. Aber wie sind die Erfahrungen der Halter, welche eine Vielzahl von Skorpionen pflegt. Leider ist an entsprechenden Berichten wenig bis gar nichts zu finden. Selber habe ich mehrere Arten über Jahre in Gruppen gepflegt und dabei unterschiedliche Resultate erzielt. Dabei hatte ich das Glück aus einem großen Bestand von eigenen Nachzuchten zurückreifen zu können. Einzelne Verluste waren da nicht ganz so schmerzlich wie bei mühsam erworbenen Tieren. Nun zu den einzelnen Arten:

Androctonus australis hat sich sehr gut in Gruppen von 2,1 bis 2,2 Skorpionen vertragen, es gab aber immer einzelne Weibchen, welche eingefleischte Kannibalen waren. Dieses Verhalten bestand meist über das gesamte Leben des Tieres und ich habe diese Monster dann nicht zur Zucht verwendet. Die Jungtiere kann man die ersten Monate in Gruppen von fünf bis zehn Tieren aufziehen wenn man keine Angst vor einigen Verlusten hat. Mein Problem ist eher das ich jedes Jahr eine Menge davon nachziehe und so gut wie keine Abnehmer dafür habe. Wenn die Androctonus etwa zwei Zentimeter erreicht haben ist auf alle Fälle Einzelhaltung bis zur Geschlechtsreife angesagt. Das erstmalige Zusammensetzen der Tiere nach erreichen der Geschlechtsreife ist der heikelste Moment. Sehr oft ist die erste Begrüßung ziemlich stürmisch und das Eingreifen des Halters erscheint notwendig. In diesem Moment scheitern die meisten Zuchtversuche bei Skorpionen. Einfach genau beobachten und die Ruhe bewahren ist hier angesagt. Meist kehrt nach einem kurzen Kräftemessen wieder Ruhe ein und die Kontrahenten leben in Zukunft friedlich zusammen. Es gehört aber schon einiges an Erfahrung dazu den Moment zu erkennen, ab dem es für den schwächeren lebensgefährlich wird. Schon einige Male dachte ich es ist geschafft und am nächsten Morgen war einer nur noch Futter. Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Australis sich gut in Gruppen halten lässt.

Parabuthus transvaalicus
Diese Art ist noch einfacher in Gruppen zu halten und verfügt schon über ein ausgesprochenes Sozialverhalten. So konnte ich bei der Häutung von semiadulten Tieren beobachten, dass der gerade sich häutende von den anderen Gruppenmitgliedern beschützt wurden. Allerdings klappt das Zusammenhalten von mehreren Weibchen nicht immer, aber die Männer sind keine Kannibalen. Die Gruppenaufzucht stellt bei dieser Art kein großes Risiko dar und der Kindersegen ist entsprechen groß.


Parabuthus villosus
Die Paarhaltung klappt bei diesem Skorpion in achtzig Prozent der Fälle lebenslänglich, nur einzelne Weibchen bleiben lieber Einzelgänger. Aber das Zusammensetzen zur Paarung geht bei den weniger verträglichen ganz gut, man merkt schnell wenn Sie keine Lust hat und kann ihn bis zum nächsten Versuch wieder solo setzen. Die Jungskorpione müssen aber alleine aufgezogen werden, Verluste bei dieser selten zu bekommenden Art sind schmerzlich. Auch bei Villosus haben die semiadulten Tiere ihren Partner bei der Adulthäutung bewacht.


Buthus occitanus occitanus
Bei dem Europäischen Feldskorpion habe ich Gruppen bis zu acht Tieren über längere Zeit gehalten und hatte keine Verluste zu beklagen. Über die südlichen Arten kann ich nichts sagen, da ich erst wenige gehalten habe.

Leiurus quinquestriatus
Auch bei diesem Skorpion mit dem Aggressiven Ruf hat bei mir die Haltung in Gruppen von 2,1 bis 2,2 recht gut geklappt. Die Kämpfe nach dem Zusammensetzen sind zwar manchmal haarsträubend, aber nach einem kurzen Kräftemessen funktioniert die weitere Gruppenhaltung sehr gut. Auch unter den Weibchen hatte ich keine Verluste zu beklagen. Die Jungen zieht man aber besser solo auf.


Pandinus imperator
Dieser in Terrarianerkreisen weit verbreitete Skorpion eignet sich sehr gut für die Gruppenhaltung. Allerdings ist das Zusammensetzen am Anfang schwieriger wie bei den zuvor genannten Arten. Eigentlich sollte man keinen Pandinus alleine erwerben, dann hat man auch keine Probleme mit dem Zusammensetzen. Wenn eine Gruppe stabil ist, gibt es auch keinen Kannibalismus mehr, die Skorpione haben sich arrangiert. Die Aufzucht bei dieser Art muss in Gruppen erfolgen, einzeln gehaltene Junge gedeihen viel schlechten und haben nach einigen Monaten ein viel geringeres Gewicht wie ihre Altersgenossen in der Gruppe.

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